Discovery Uzbekistan
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Discovery Uzbekistan Travel Guide #14/2010
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Ökotourismus am Aralsee

Die Wüsten Usbekistans Kizilkum und Karakum bieten Besuchern in der Welt einmalige Landschaften, in der die kühnsten Vorstellungen von weiter Steppe und endlosem Horizont wahr werden, weit weg vom Treiben der Bucharischen Teppich-Händler. Wer davon träumt, in einem echten Nomadenzelt, der Jurte zu nächtigen, kann seinen Traum hier erfüllen. Wer sich für einen Moment als Karawanenführer vor 150 Jahren fühlen will, kann sich hier auf den Rücken eines Kamels schwingen und abends, beim Lagerfeuer und melancholischen traditionellen Weisen, unter einem Sternhimmel, der mit Worten nicht zu beschreiben ist, nurso schwelgen. Und fürdie abenteuerlustigsten: eine Durchquerung der Kizilkum Wüste bis an die Ufer des langsam schwindenden Aralsees.

Einst der 4. grösste See der Welt, steht der Aralsee heute auf 8. Stelle. Seit 1960 hat er mehr als 60% seiner Fläche und 80% seines Umfanges verloren. Der Meeresspiegel ist auf 18 Meter gesunken, infolge der intensiven Ableitung von Flusswasser des Amudarya und Syrdarya zur Bewässerung der Baumwollplantagen. Bis zu 90% des natürlichen Flusswassers aus dem Tien-Shan Gebirge der legendären Ströme Oxus und Jaxartes werden abgezapft oder verdampfen unter der brennenden Sonne Zentralasiens. Das Schrumpfen des Aralsees wird allgemein als eine der schlimmsten technologischen und ökologischen Katastrophen auf dem Planet Erde angesehen. Eine einst blühende Fischereiindustrie wurde in den Ruin geführt. Wo noch vor einigen Jahren 44 000 Tonnen Fisch im Jahr verarbeitet wurden, ist heute nicht einmal genügend Formaldehyd vorhanden, um die ehemaligen Fischsorten im Muynak Museum auszustellen. Die südliche Küste hat sich auf 150 km zurückgezogen. Laut Berechnungen könnte der Aralsee zum Jahr 2015 vollständig verschwinden.

Entlang der ehemligen Uferzone hat sich infolge Verdunstung eine grobe Salzkruste gebildet. Von den nordöstlichen Winden getrieben, hat das Salz massiv zur Desertifikation der Landschaft beigetragen und irreparable Schäden für Mensch und Tier gestiftet. Auf dem Flug von Tashkent nach Nukus ist vom Flugzeug aus das Salz so deutlich wie frischer Schnee zu erkennen.

Wer den dramatischen Rückgang des Aralsees einmal im Leben gesehen haben möchte, tut dies gewöhnlich von der Luft aus. Mit einigen Kollegen entschloss ich mich jedoch, in unseren eigenen Jeeps an die Ufer des Aralsees zu fahren und dort unsere Zelte aufzuschlagen.

Nicht weit von Nukus erreichten wir den Ort Muynack. Vom Punkt aus, wo eine stolze Flotte einst im blühenden Hafen zu Anker lag, wo die Fischkonservenfabrik stand, sind es heute 150 km bis zum aktuellen Ufer. Die wenigen Bewohner von Muynak haben als Sehenswürdigkeit vorallem die im Sand gestrandeten dahinrostenden Fischkutter anzubieten. Dramatische Zeugen einer scheinbar längst vergangenen Zeit in einer Isoliertheit, die nicht zu überbieten ist. In der Luft liegt die Frage, wie es menschenmöglich ist, derartige Verachtung für das fragile ökologische Gleichgewicht an den Tag zu legen, mit derartigen Konsequenzen, ein Gefühl, welches keinen unberührt lässt. Die Muynaker sagen, wenn jeder Diplomat und jeder Journalist, welcher nach Muynak kommt, einen Eimer Wasser mitbrächte, wäre der See da zurück, wo er vor 40 Jahren war. Was ausser schwarzem Humor istdiesen Leuten geblieben?

Von Muynack aus folgten wir einer holperigen Piste über Stock und Stein und einen Abhang hoch, durch das absolute Ödland, das an einigen Stellen von verwahrlosten Gasbohranlagen unterbrochen wird. Über uns fliegen Habichte und unter unseren Schuhsohlen knirrschten beim Aussteigen Millionen von zerbrochenen Meeresmuscheln.

Nach 5h Fahrt über den ehemaligen Meeresboden erreichten wir den Rand der Anhöhe. Der Horizont schien unwirklich blau, bis wir realisierten, dass wir in Wirklichkeit auf das Wasser des Aralsees blickten. Für immer wird mir dieses Bild eingeprägt sein, die dunkle Bläue und die Widerspiegelung der Sonne auf den Wellen.

Die im Sand gestrandeten Fischkutter in der ehemaligen Hafenstadt Muynak
Der ständige Staub und die trockene, gnadenlose Hitze Hessen die Wellen besonders anziehend aussehen. Wir beeilten uns, das kühle Nass zu erreichen. Statt über einen Sandstrand schritten wir durch mit Salz gemischten dichten und klebrigen Schlamm und kamen nur mühsam vorwärts. Wohl wussten wir, dass die Spurenelemente im Schlamm heute 7-Mal höher als vor 40 Jahren sind und die chemische Reaktion des Salzes mit den Pestiziden und dem Dünger der Baumwollfelder die Ursache der Schlammbildung war.

Wir waren uns auch zutiefst bewusst, etwas Einmaliges zu erleben. Das Wasser des Aralsees zu berühren, davon werden Generationen nach uns nur noch träumen können und mein Wunsch, in dieses Wasser einzutauchen war letztlich stärker als Gesundsheitsvorkehrungen. Es war wirklich nicht einfach, bis zu tieferen Wassern vorzudringen, ich versank tief im Schlick. Ich legte mich flach und fing an, mit geschlossenem Mund zu schwimmen. Ich war allein in dieser grossen Welt der Wüste, des Sees und Himmels. Die Konzentration vom Salz im Wasser war so hoch, dass ich bei meiner Rückkehr ans Ufer wie von weissem Puder überzogen war. Erst Mineralwasser aus der Flasche entledigte mich meiner Salzschicht.

In diese Nacht tranken wir Malzwhisky am Lagerfeuer und fühlten uns winzig unter den flimmernden Sternen. Wir wussten, es ist ein ausserordentliches Privileg, sich hier zu befinden.

Bei einem spektakulären Sonnenaufgang wurden wir wach und bald verabschiedeten wir uns vom Aralsee für immer. Unsere usbekischen Fremdenführer waren ziemlich erschüttert von dem Gedanken, dass wir Europäer riesige Strecken hinter uns gebracht hatten, um diesen speziellen und einsamen Ort in ihrem Lande aufzusuchen. Wir selber waren glücklich und stolz auf unsere Expedition aber auch müde nach der langen Reise und der langen Nacht am UferdesAralsees.

Discovery Uzbekistan #3

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